Dem Tod ins Gesicht geblickt

Es gibt nichts schlimmeres als Krebs? Zumindest ist es für viele eine Erfahrung auf die man getrost verzichten kann. Bei Frauen ist es der gefürchtete Brustkrebs und bei Männern die Prostata. Wenn es noch die eigene Mutter ist, mag es für den ein oder anderen noch etwas schlimmer sein. Aber das ganze kann man natürlich auch für den eigenen Vater sagen. Das Problem ist meist nicht der Krebs selbst, sondern immer die Metastasen. So auch in diesem Fall. Sie war 53 Jahre alt, hatte sich von ihrem Mann getrennt und 3 Kinder.

Sie lebte ihr Leben, genießte es und ging einem geregelten Beruf nach. Auch in ihrem Alter kann man definitiv noch in die Disco und Sie war so eingestellt, einfach viel Spass im Leben mitzunehmen. Auch spontan war Sie sehr, was ihre Freundinnen an ihr mochten und begeistertet waren. Sie hatte schon einmal Brustkrebs und diesen “Kampf” erfolgreich gewonnen. Dies war vor 15 Jahren, man sagt nach Ablauf von 15 Jahren sinke das Risiko auf 1% rezessiv. Nach dem ihr die Schulter über mehrere Tage immer wieder schmerzte und Sie sich dann sagte Sie müsse sich das nun “endlich” mal von einem Arzt anschauen lassen. Nach so langer Zeit vermutet man natürlich nicht, das dies zurückzuführen ist auf einen Krebs und wer ist schon gerne beim Arzt. Aber nachdem Sie sich dazu durchgerungen hat, das dies sich mal jemand anschauen müsse, begann auch schon der Ärzte Marathon.

Dann bekam Sie die Diagnose Krebs und man schaute sich an wie sich dieser bereits ausgebreitet hat. In solchen Momenten nimmt ein Mensch erst mal nichts mehr auf, keine Informationen. Man ist von dieser Nachricht so erschlagen, das man einfach abschaltet und versucht das für sich selbst zu realisieren. Gut das alle drei Kinder mit ihr waren und Sie aufgefangen haben. Man gab ihr Mut, das es Möglichkeiten gibt. Eine Chemo, Bestrahlung und man tue alles mögliche was in der Macht der Medizin steht, das Sie sich keine Sorgen machen brauche. Das war erfreulich und es brach, nach den ganzen Anspannungen, es einfach aus ihr heraus, ein Meer an Tränen, vor Freude das es Hoffnung gibt. Auch hatte Sie sich mit der Kraft des Körpers, Geistes und mentalen Energie beschäftigt und hatte auch einen großen Unterstützerkreis an Freunden.

Das Zeitfenster das Sie noch hatte, was sie aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste waren genau 6 Monate. Denn die Metastasen haben sich schon weit und stark ausgebreitet. Natürlich hat man sie jedoch bestrahlt, erst in der linken Schulter, dann haben sich diese auf die rechte Schulter niedergelassen. Dann hatte man die rechte Schulter bestrahlt und diese sind auf das Becken ausgewichen. Es war somit unaufhaltsam, da eine Chemo auch viel Energie einem selbst kostet und anstrengend ist, hält man diese nicht immer lange aus. Sie ist dann auf die Palliativ eingeliefert worden und man hat versucht ihr die Schmerzen bestmöglich zu nehmen. Sicher war zu diesem Zeitpunkt, das Sie nie wieder Inliner fahren wird. Was ihr viel Lebensmut kostete und auch viel positive Energie. Ihren Kindern sagte Sie nie die richtige Wahrheit und so drängten die Ärzte darauf das man einen Termin anberaume, an dem man offen über die fortgeschrittene Krankheit berichtet. Die Kinder haben nie im Leben sich den Ausmaß dessen so vorgestellt. Manche schützen eben ihre Kinder so gut es geht und so haben sie die harte Wahrheit der Ärztin wie einen schmetternden Hammer erfahren. Es geht dem Ende zu, so war das nicht klar, die Metastasen sind mittlerweile in der Lunge, nehme man an, denn man möchte medizinisch nun nicht mehr den Körper weiter belasten. Sondern einfach das Leben schön ausklingen lassen, das ihre Kinder und Freunde noch genug von ihr haben.

Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, das der Tod unausweichlich sein wird. Somit wurde über die Verlegung in das Hospiz nachgedacht. Da wurde der Druck auch immer grösser, gerne wäre Sie in der Palliativ geblieben, musste aber dem Druck nachgeben und wurde u.a. aus Kostengründen auch verlegt. Der Zustand war relativ “gut” für die Verlegung. Sie bekam Sauerstoff, damit Sie besser atmen konnte, war nur noch auf das Bett gefesselt, da ihr Becken so stark angegriffen war, das Sie ohne Hilfe dieses nicht mehr verlassen konnte. Sie hatte einen Katheter und ihr Essgewohnheiten nahmen bereits stark ab, auch Abführmittel war unausweichlich, sowie eine Windel, da es eben nicht mehr so war, wie es einmal alles “automatisch” lief. Man kann sich dass vielleicht als Außenstehender, der mit der Materie auch nicht so vertraut ist, nur schwer vorstellen. Wichtig war das es ihr gut ging, mit wenig bis keinen Schmerzen und Sie noch dass was möglich war erledigen konnte.

Man merkte ihr die Niederlage über die Krankheit bereits an, sie hatte ja schon mal so gekämpft, dass man vielleicht beim zweiten Mal es entweder mit zu viel Gelassenheit betrachtet oder keine Kraft mehr hatte, diese noch einmal aufzunehmen.

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