Der Wurm in der Bahn

Wenn ein Beruf unterschätzt wird, dann der des Zugbegleiters. Was man da alles beherrschen muss! Deutsch und Englisch fließend, technischen Schnickschnack, Deeskalationsstrategien und etliches mehr. Erst neulich durfte ich ein Musterexemplar erleben, Herrn Meier, der uns im Sprinter abends durch alle Widrigkeiten lenkte. Ein technischer Defekt legte das Bordrestaurant lahm. Dann kam ein „Personenschaden” hinzu und eine Umleitung, die leider zum Teil „nur eingleisig befahrbar” war, wie Herr Meier uns mit sanfter Stimme mitteilte. Die Fahrgäste murrten, es sei eisig im Zug, sie hätten Hunger. Aber Herr Meier hielt tapfer durch, obwohl ihn alle übelst beschimpften, als er die nächste Umleitung ankündigte: „Liebe Reisende, wenn mal der Wurm drin ist, kommt’s immer noch dicker.” Leider hat er sich das Wortspiel auf Englisch gespart, das hätte mich interessiert. Sprachlich, da geht noch was, liebe Bahn. Ansonsten sei allen Stinkstiefeln und Motzekühen gesagt: Fliegt doch, fahrt mit dem Auto oder bleibt einfach zu Hause, aber lasst mir den Herrn Meier in Ruhe!

[Quelle: www.faz.net]

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