Die wahre Liebe, jeder sucht sie

Tobi ist mittlerweile 27 Jahre alt, wohnt alleine und ist nun seit 2 Jahren Single. Viele in seinem Umfeld fragen oft nach seinem Beziehungsstand, aber ihn nervt es nur noch und jedes mal verdrehte er die Augen bei dieser Frage. Es ist zwar nicht die beste Wohnung, aber dafür eine extrem günstige und sie ist mitten in der Stadt. Dafür musste man in Kauf nehmen, dass die Dusche in der Küche war und es für die gesamte 3 Zimmer Wohnung nur 2 Gasheizungen gab.

Eines Tages ist Tobi auf angesagter.de aufmerksam geworden und hat sich dort angemeldet. Um kurz zu erläutern was es mit dieser Seite auf sich hatte und wie das Prinzip war. In der Mitte des Bildschirms wurden nebeneinander zwei Bilder angezeigt und hier entschied man sich für das sympathischere Foto durch anklicken. Entweder bekam man zwei Frauen oder zwei Männer angezeigt (was man eben zuvor eingestellt hatte). Das Besondere war, man konnte eben auch flirten, Nachrichten schreiben oder auf ein Matchmaking warten. Eine Mischung aus Spaß, Dating oder Zeitvertreib. Schon hatte Tobi 3 Bilder von sich hochgeladen, damit er von Frauen bewertet werden konnte und hat sich dann auf ins bewerten der Frauen gestürzt. Sobald eine Frau ihn auch mehrere Male ausgewählt hatte und er sich auch für diese Frau des Öfteren entschied: Gab es ein “Matchmaking” (eine Übereinstimmung) und man konnte sehen, wer sich so für einen interessiert. Er hatte schon 10 “Matchmakings” (so hieß dass bei der Seite), aber eine stach heraus, sie nannte sich Jeanny. Das ganze machte fast süchtig, am Tag bewertete er bestimmt hunderte Frauen. Auch während der Arbeit, er arbeitete als Call-Center Agent in einer Firma und dort konnte er das Internet nutzen. Also klickte er immer auf seine Favoritin bei den 2 gezeigten Frauen, neben dem telefonieren. Es gab ja auch das Nachrichten System und so nahm er allen Mut zusammen und schrieb erst seine dritte Nachricht (insgesamt), aber es war die erste an Jeanny. Tobi mochte es nicht wenn eine Nachricht nur aus 3 Sätzen bestand und so ging die Nachricht in die Länge… Es ist immer etwas besonderes wenn man eine persönliche und lange Nachricht an eine auserwählte Unbekannte schickte. Denn manche Kerle nutzten das „Copy & Paste“ System (eine Nachricht kopiert und an viele Empfänger eingefügt/gesendet). Irgendwie ähnlich wie bei Werbung, die Beste wird einem schon auffallen, der Rest wandert in die Tonne.

Tobi ist nicht der Typ gewesen, der 10 Frauen am Tag an schrieb und hoffte, dass eine Auserwählte mal zurück schreibt. Jede Nachricht war nicht gespeichert um sie bei der nächsten Schönheit wieder verwenden zu können. Aber jetzt schrieb er eine an, Jeanny und die hatte nicht viel in ihr Profil geschrieben. Das erhöhte die Spannung, endlich eine Antwort auf seine Nachricht zu erhalten und mehr über sie zu erfahren. So ist das eben, wenn man nur 3 Frauen in der Woche anschreibt, dann ist jede Nachricht und jede Frau, schon wie ein Geburtstagsgeschenk. Die Spannung, es zu schütteln, die Größe und es dann auszupacken. Man könnte meinen ich meine eine Frau, aber ich war immer noch beim Geschenk.

Also, viele Antworten hatte Tobi noch nicht erhalten, was natürlich unterschiedliche Gründe haben kann. Die eine findet ihn vielleicht nun doch nicht mehr so attraktiv. Die Andere probiert das alles einfach mal aus, eben zum Spaß oder Zeitvertreib. Die Nächste wollte etwas Bestimmtes in einer Nachricht lesen oder wollte einen halben Aufsatz. So wie jeder unterschiedlich an die Sache herangeht, so gibt es beim Empfänger auch eine gewisse Erwartungshaltung. Jeanny war unglaublich hübsch, sie hätte Modell sein können. Bestimmt bekommt sie hunderte Nachrichten pro Monat, warum soll sie gerade mir zurück schreiben. Manchmal muss man sich einfach trauen und wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Und manchmal ist es vielleicht auch eine gewisse Art von Bestimmung.

Sekunden werden zu Minuten, Minuten zu Stunden, Stunden zu Tage. Wann wird sie denn endlich antworten, hatte er sich gefragt. Er hat jede Stunde auf sein Postfach gestarrt und ungeduldig gewartet. Dabei schossen ihm viele Fragen durch den Kopf, habe ich das richtige geschrieben? Hoffentlich habe ich Sie nicht gleich mit der ersten Nachricht erschlagen? Am nächsten Tag, die ersehnte Nachricht von, Jeanny! Ja, sie hat geantwortet, unglaublich. Tobi hat sich so gefreut, als wäre heute sein Geburtstag, als wäre schon das Aufgebot für die Hochzeit bestellt, das erste Kind „im Ofen“ und das Haus bereits beim Makler reserviert. Es war die erste Nachricht, aber Tobi dachte, das klappt und es ist genau die Richtige. Er spürte es. Bei manchen Männern geht das immer etwas schneller mit der Euphorie und Tobi gehörte definitiv zu dieser Sorte…

Jetzt im Taschenbuch “Zum Nachdenken und Lachen verführt”.
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