Ein Zug voller Wahnsinn

Was man so erlebt als Zugbegleiter? Jede Menge, es reicht für ein Kapitel im Buch zum nachlesen. Von arm bis reich, viele fahren Bahn. Von verliebt bis zerbrochen, alles keucht und fleucht. Und jeder Hundertste? Der flieht oder versteckt sich vom Zugbegleiter…

Der ganz normale Wahnsinn begegnet einem Tag für Tag, ob auf der Straße, beim Einkaufen oder im Fernsehen. Viele von uns sind einfach Sensationshaschend, deshalb wird manches so übertrieben. Ich brauche nicht viel zu übertreiben, denn das machen die Akteure von selbst. Denn jeder hat immer eine Ausrede parat, die wenigsten sagen „ja ich zahle die Strafe, es war mein Fehler“. Denn wer sucht schon gern den Fehler bei sich selbst, Schuld sind immer die Anderen. Meist gibt es dann den Klassiker zu hören: „die Bahn hat immer Verspätung“. Leider, aber vielleicht auch gut so, denn sonst gäbe es dieses Kapitel nicht. Keine Sorge ich will dich nun nicht langweilen, mit den ganzen Sprüchen die ich Tag für Tag höre, das wäre zwar auch recht unterhaltsam, aber ich möchte dir einen Einblick geben in eine Zugfahrt und darüber hinaus. Außerdem braucht man bei manchen Sprüchen, nicht nur, ein starkes Fell. Denn ich bin immerhin herzlos zu jedem, der keinen Fahrschein hat, wenn es nach dem geht, der keinen hat. Gut, ist klar, ich gehe ja auch ohne Geld einkaufen. Tag für Tag fahren Frauen, wie Männer, Kinder wie Schüler, Mütter wie Väter und egal welchen Alters oder Benehmens, Geschichten zu diesen gibt es viele und diese stelle ich nun vor.

Kennst du meinen Lieblingsspruch? Es gibt wenig Berufe, die so erlebnisreich sind, wie der des Zugbegleiters. Hier finden sich Tag für Tag, alle Menschengruppen die Sie sonst vielleicht nicht in dieser Konstellation an einem Ort zu finden sind. Ob die Liebe, die Trennung, Diskussionen, Knutschende oder Sex, alles schon da gewesen. Denn Glaube mir, auch ein Zugbegleiter hat es nicht einfach, auch wenn diese oft bei den Fahrgästen die Bösen sind. Dieses Kapitel handelt von so einem „Bösen“, was manche als Gerecht empfinden, finden andere als ungerecht und nicht kulant. Du wirst viel Witz, Charme, Erlebnisse und hoffentlich eine andere Sichtweise kennenlernen. Jeder Tag ist für mich einfach eine Erlebnis, eine Herausforderung, Spaß und knallharter Job.

Mein Tag beginnt meist zwischen 12.00 bis 15.00 Uhr und endet zwischen 21.00 bis 1.30 Uhr, davor mach ich natürlich das was andere Berufstätige auch machen. Ich genieße mein Privatleben, auch hier hab ich so meine eigenen Probleme und Aufgaben zu lösen. Dann kleide ich mich in schicker Uniform und bereite mich auf meinen Dienst vor, ins Auto und ab zum Hauptbahnhof. Da sind wir dann auf unserem tollen Parkplatz, hier kann dann für den nächsten Tag, schon mal einen Werkstatt Termin ausmachen. Denn dies ist ein Schotterplatz vom feinsten, dieser Löcher hat, wofür man einen Geländewagen benötigen würde, aber bevor man diesen teert (Kosten sparen, die Stadt hat kein Geld dafür), dachte man sich, legen wir einfach ein paar schwere Stahlplatten darüber. Die mittlerweile aber so verschoben und fast schon gefährlich sind, das man Angst um sein Auto inklusive Reifen haben sollte. Auch einen freien Parkplatz zu finden, ist eine Meisterleistung, es sind einfach zu wenig da.

Aber jetzt sind wir erst mal da, also am Hauptbahnhof, zum Zug und los geht’s. Bereits am Bahnhof fühlt man sich heimisch und sieht schon seine ersten Fahrgäste oder auch Kunden. Mittlerweile werde ich bereits vor Abfahrt des Zuges immer gefragt (glaube mir diese Personen scherzen damit nicht), ob man kostenlos mitfahren könnte, da er oder sie zum Beispiel kein Geld aus diesem komischen Bankautomaten bekäme. Du merkst schon, jeder hat natürlich immer seine eigene ganz persönliche Geschichte. So startet man gleich in eine schöne Dienstschicht, es gibt nur noch wenige Situationen und Leute die einem eine Schicht noch versüßen können. Aber zu den tollen Erlebnissen im Zug die ich täglich erlebt habe und erlebe, kommen wir auch noch. Stell dir nun einfach den ganz normalen Zugbegleiter vor, der vor dem Zug steht und seinen Fahrgästen beim einsteigen zuschauen darf. Für alle die noch den Begriff Schaffner aus früheren Zeiten kennen, kann ich nun mit diesem Glauben aufräumen, auch wenn diesen, die älteren Kollegen noch vereinzelt gerne hören. Es wird ihn in ein paar Jahren nicht mehr geben, das hat so Dampflokomotiven Stil und die gibt es auch nur noch im Museum. Denn die meisten Züge fahren bereits auch ohne den Zugbegleiter. Nein, auch die Annahme er würde schon alleine fahren. Manche denken doch wirklich, „ähm, wenn sie jetzt kontrollieren, wer fährt dann den Zug“? Aber zumeist nur Kinder, denn einen Lokomotivführer (jetzt: „Triebfahrzeugführer“) braucht man dafür schon noch.

Kurz vor der Abfahrt des Zuges kommt ein Mann auf mich zu, ob ich ihm seine Fahrkarte (manche Fahrkarten müssen mit einem Entwerter entwertet werden, diese hängen meist vor dem Treppenaufgang zum Gleis) noch entwerten könne, er hätte dies vergessen. Man muss wissen, im Zug gibt es keine Fahrscheine und keinen Entwerter (es ist aber wohl eine Änderung wieder im Gange und kann je nach Bundesland, unterschiedlich sein). Ich sagte ihm dass dies leider nicht möglich ist, er aber gern noch aussteigen kann, da der Zug noch nicht abgefahren ist. Er fragte mich wie viel Zeit er noch habe, darauf erwiderte ich dass es nur noch eine halbe Minute sei. Er meinte: „Naja, das werd ich dann ja auch nicht mehr schaffen und auf den nächsten Zug will ich nun auch nicht warten, dann bezahle ich“. „Gut, das wird dann wohl so sein“ erwiderte ich und er bezahlte die 40,- € gleich bar (mittlerweile wurde es auf 60,- € erhöht, auch hier, je nach Bundesland kann es unter Umständen unterschiedlich ausfallen).

Es gibt ja auch die Dauer Wiedersprecher. Stelle dir vor, du hast jemanden der im Zug Musik macht, eigentlich doch toll, Unterhaltung in der Stille. Problem, er konnte das Ganze nicht „so gut“, so dass sich andere leider gestört fühlten. Meine Aufgabe, einzuschreiten…

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